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F – Landschaft und Natur

Die Handlung von „Zurück in Vinland“ führt in eine Landschaft, die den Menschen des Romans zunächst fremd erscheint. Sie begegnen einer zerklüfteten Küste, ausgedehnten Wäldern, unzähligen Gewässern und einer Tier- und Pflanzenwelt, die sich in vielem von ihrer eigenen Heimat unterscheidet.

Der Naturraum, an dem sich der Roman orientiert, liegt im südlichen Labrador. Um das Jahr 1000 war diese Region nur sehr dünn besiedelt. Straßen, größere Siedlungen und künstliche Eingriffe in die Landschaft gab es nicht. Küsten, Wälder, Flüsse und Moore bildeten einen weitgehend zusammenhängenden Lebensraum.

Dennoch war diese Landschaft keineswegs menschenleer. Indigene Gemeinschaften lebten seit langer Zeit in der Region. Sie kannten die Wanderwege der Tiere, die Veränderungen der Jahreszeiten, die geeigneten Fischgründe und die nutzbaren Pflanzen. Was den Neuankömmlingen fremd erschien, war für die dort lebenden Menschen ein vertrauter und genau verstandener Lebensraum.

Die Landschaft Südlabradors darf dabei nicht als einheitlicher Wald vorgestellt werden. Sie bestand aus sehr unterschiedlichen Bereichen: felsigen Küsten, geschützten Buchten, Inseln, offenen Küstenheiden, Mooren, Seen, Flüssen und den borealen Wäldern des Landesinneren. Erst das Zusammenspiel dieser Landschaften formte den Lebensraum, in dem die Menschen des Romans lebten.

Geographie

Das südliche Labrador gehört zu einer alten, stark durch die Eiszeiten geformten Landschaft. Über viele Jahrtausende bewegten sich mächtige Gletscher über das Land. Sie schliffen Felsen ab, rundeten Hügel, vertieften Täler und hinterließen Senken, in denen später Seen, Moore und Feuchtgebiete entstanden.

An vielen Stellen tritt das Grundgestein unmittelbar an die Oberfläche. Große Felsplatten, Geröllfelder und einzelne Steinblöcke wechseln sich mit bewaldeten Flächen und feuchten Niederungen ab. Der Boden ist häufig dünn und nährstoffarm. Wo sich mehr Erde sammeln konnte und die Lage geschützt war, entwickelten sich dichtere Wälder.

Die Küste

Die Küste Südlabradors ist stark gegliedert. Buchten, schmale Meeresarme, Halbinseln und vorgelagerte Inseln bestimmen ihr Erscheinungsbild. Manche Küstenabschnitte bestehen aus offenem Fels, andere aus Kies, Sand oder niedrigen bewachsenen Ufern.

Geschützte Buchten boten Menschen und Booten Zuflucht vor Wind und starkem Seegang. Gleichzeitig waren sie bevorzugte Aufenthaltsorte für Fische, Wasservögel und Meeressäuger. Flussmündungen verbanden das Meer mit dem Landesinneren und bildeten natürliche Wege durch die Landschaft.

An ungeschützten Küstenabschnitten wirkte das Meer dagegen unmittelbar auf das Land ein. Wind, Wellen, Eis und Sturmfluten verhinderten dort häufig das Wachstum hoher Bäume. Statt geschlossener Wälder entstanden offene Heideflächen oder niedrige, vom Wind verformte Gehölze.

Das Landesinnere

Hinter den offenen Küstenbereichen begann der boreale Wald. Er war jedoch ebenfalls nicht geschlossen und gleichförmig. Dichte Nadelwälder wechselten sich mit lichten Beständen, Mooren, Seen, Flüssen, Felsflächen und durch Brände oder Stürme geöffneten Gebieten ab.

Flüsse und Seen bildeten ein natürliches Wegenetz. Wer sich im Landesinneren bewegte, konnte ihren Verläufen folgen, musste aber zugleich Stromschnellen, Wasserfälle, Sümpfe und breite Flussarme überwinden. Wege, wie wir sie heute kennen, existierten nicht. Orientierung erfolgte anhand der Küste, des Sonnenstandes, markanter Felsen, Flüsse, Berge und anderer wiedererkennbarer Landschaftsmerkmale.

Der damalige Küstenverlauf

Die großen geographischen Formen Südlabradors sahen um das Jahr 1000 bereits grundsätzlich ähnlich aus wie heute. Große Buchten, Felsrücken, Inselgruppen, Täler und Flussläufe waren vorhanden und würden auch auf modernen Karten wiederzuerkennen sein.

Die genaue Uferlinie konnte jedoch abweichen. Nach dem Ende der letzten Eiszeit hob sich das zuvor vom Gewicht der Gletscher niedergedrückte Land langsam wieder an. Dieser Vorgang wird als glazialisostatische Landhebung bezeichnet. Gleichzeitig veränderte sich der weltweite Meeresspiegel.

Deshalb lässt sich für Südlabrador keine einfache allgemeine Aussage treffen, nach der das Meer um das Jahr 1000 überall eine bestimmte Zahl von Zentimetern höher oder niedriger gestanden habe. Entscheidend war das Verhältnis zwischen der Höhe des Meeres und der örtlichen Bewegung des Landes.

Vor allem an flachen Küstenabschnitten konnten Strände, Sandbänke, Mündungsbereiche und schmale Wasserarme anders ausgesehen haben. Eine heutige Insel konnte damals möglicherweise noch mit dem Festland verbunden gewesen sein, während niedrige Uferflächen an anderer Stelle stärker vom Wasser beeinflusst wurden. Die großen felsigen Landschaftsformen blieben davon jedoch weitgehend unberührt. Moderne Karten können deshalb als Grundlage dienen, ohne dass jede einzelne damalige Uferlinie genau rekonstruiert werden kann.

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Klima

Das Klima Südlabradors wurde und wird sowohl vom nordamerikanischen Festland als auch vom kalten Labradorstrom beeinflusst. Dadurch unterscheiden sich die Verhältnisse an der Küste teilweise deutlich von denen im geschützteren Landesinneren.

An der Küste dämpft das Meer extreme Temperaturunterschiede, sorgt im Sommer jedoch gleichzeitig für niedrige Temperaturen, feuchte Luft und häufigen Nebel. Kaltes Meerwasser trifft dort auf wärmere Luftmassen. Besonders im Frühjahr und Frühsommer können dadurch dichte Nebelfelder entstehen, die innerhalb kurzer Zeit aufziehen und die Sicht über dem Wasser stark einschränken.

Wind gehörte ebenfalls zum täglichen Erscheinungsbild. Offene Küsten, Inseln und Landzungen waren ihm besonders ausgesetzt. Das Wetter konnte rasch wechseln. Ein ruhiger Morgen schloss Regen, stärkeren Wind oder einen Sturm im weiteren Tagesverlauf nicht aus.

Im Landesinneren war der unmittelbare Einfluss des Meeres schwächer. Dort konnten die Sommer an einzelnen Tagen wärmer, die Winter aber auch kälter ausfallen. Wälder boten Schutz vor Wind, hielten jedoch Feuchtigkeit und Schnee länger fest.

Die Mittelalterliche Klimaanomalie

Die Zeit um das Jahr 1000 wird häufig als „Mittelalterliche Warmzeit“ bezeichnet. Heute wird meist der genauere Begriff „Mittelalterliche Klimaanomalie“ verwendet. Damit soll deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um eine überall gleichzeitig auftretende und gleich starke Erwärmung handelte.

In Teilen des Nordatlantiks herrschten während bestimmter Zeiträume günstigere Bedingungen als in den späteren Jahrhunderten der sogenannten Kleinen Eiszeit. Diese Verhältnisse dürften die nordischen Reisen über Island und Grönland begünstigt haben.

Daraus folgt jedoch nicht, dass im Labrador um das Jahr 1000 ein allgemein mildes Klima herrschte. Die regionalen Klimaverhältnisse schwankten, und einzelne Rekonstruktionen zeigen Veränderungen bei Niederschlägen, Meeresströmungen und der Verteilung kalter und wärmerer Wassermassen.

Für den Roman ist deshalb entscheidend: Auch während der Mittelalterlichen Klimaanomalie blieb Südlabrador eine raue Region. Kurze Sommer, lange Winter, Schnee, Frost, Sturm, Regen und Nebel sind für diese Zeit uneingeschränkt plausibel. Eine Landschaft, die deutlich wärmer oder grundsätzlich anders aussah als heute, lässt sich dagegen nicht begründen.

Regen und Schnee

Niederschlag fiel während des gesamten Jahres. Im Sommer und Herbst kam er überwiegend als Regen, im Winter als Schnee. Küstenstürme konnten große Mengen feuchter Luft heranführen. Im Winter konnten daraus heftige Schneefälle und Schneeverwehungen entstehen.

Der Schnee blieb im Landesinneren häufig länger liegen als an unmittelbar vom Meer beeinflussten Küstenabschnitten. In geschützten Tälern und schattigen Wäldern konnten sich Schneereste bis weit in das Frühjahr halten.

Nebel, Wind und plötzlich wechselndes Wetter waren für Reisende nicht nur unangenehm, sondern konnten die Orientierung gefährden. Wer sich mit einem Boot entlang der Küste bewegte, war auf gute Sicht, günstige Strömungen und beherrschbare Windverhältnisse angewiesen.

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Jahreszeiten und Himmel

Die Jahreszeiten bestimmten das Leben der Menschen, das Verhalten der Tiere und die Möglichkeiten, sich durch die Landschaft zu bewegen. Keine Jahreszeit war lediglich eine andere Form desselben Lebens. Mit dem Wechsel des Wetters veränderte sich der gesamte nutzbare Lebensraum.

Frühling

Der Frühling begann langsam. Während die Sonne bereits höher stand und die Tage länger wurden, lagen in geschützten Bereichen noch Schnee und Eis. Die oberen Bodenschichten tauten auf, während der Untergrund teilweise noch gefroren war. Dadurch entstanden schlammige Wege und wassergesättigte Flächen.

Mit der Schneeschmelze stiegen die Wasserstände. Bäche wurden zu schnell fließenden Gewässern, Flüsse traten über ihre Ufer, und bisher begehbare Übergänge konnten unpassierbar werden. Auf Seen und Flüssen brach das Eis nicht überall gleichzeitig auf. Treibende Eisschollen und kaltes Schmelzwasser machten Überquerungen gefährlich.

Nach und nach kehrten Zugvögel zurück. Erste Pflanzen trieben aus, und Tiere verließen ihre Winterquartiere. Für die Menschen begann eine Zeit des Übergangs: Die Vorräte des Winters gingen zur Neige, während viele Nahrungsquellen des Sommers noch nicht verfügbar waren.

Sommer

Der Sommer war kurz, aber von langen hellen Tagen geprägt. Im südlichen Labrador ging die Sonne auch im Hochsommer unter, doch die Nächte blieben vergleichsweise kurz. Lange Dämmerungsphasen verlängerten die Zeit, in der Menschen reisen, arbeiten oder jagen konnten.

Die Temperaturen blieben besonders an der Küste häufig kühl. Es gab jedoch auch milde oder zeitweise warme Tage. Im Landesinneren konnten sich geschützte Flächen deutlich stärker erwärmen als offene Küsten.

Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich die Vegetation. Farne entfalteten ihre Wedel, Sträucher blühten, Gräser wuchsen, und später begannen die ersten Beeren zu reifen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Insekten stark zu. Mücken, Kriebelmücken und Bremsen konnten Menschen und Tiere erheblich belasten.

Der Sommer war die günstigste Zeit für längere Reisen, den Bau und die Reparatur von Unterkünften, das Sammeln von Pflanzen sowie viele Formen des Fischfangs. Dennoch blieben Regen, Nebel und Sturm jederzeit möglich.

Herbst

Der Herbst setzte früh ein und konnte rasch verlaufen. Die Blätter der Birken und Espen verfärbten sich, während Fichten und Tannen ihre dunkle Farbe behielten. Beeren reiften, Pilze erschienen, und zahlreiche Tiere begannen, sich auf den Winter vorzubereiten.

Zugvögel sammelten sich und verließen die Region. Andere Vogelarten blieben auch im Winter. Karibus veränderten ihre Aufenthaltsgebiete und folgten ihren jahreszeitlichen Wanderwegen.

Die Nächte wurden schnell länger. Nebel, Regen und erste Nachtfröste kündigten den nahenden Winter an. Für die Menschen war der Herbst eine entscheidende Zeit, um Vorräte anzulegen und sich auf Monate vorzubereiten, in denen Reisen und Nahrungssuche erheblich schwieriger wurden.

Winter

Der Winter war lang. Schnee bedeckte weite Teile des Landes, Seen und kleinere Gewässer froren zu, und auch an der Küste konnte sich Meereis bilden. Entlang der Labradorküste wird Eis zudem durch den Labradorstrom nach Süden transportiert.

Das Eis war jedoch nicht überall gleichmäßig oder zuverlässig. Strömungen, Gezeiten, Zuflüsse und wechselnde Temperaturen konnten offene Stellen oder dünne Eisflächen entstehen lassen. Ein zugefrorener Fluss oder eine Bucht konnte einen neuen Weg eröffnen, aber ebenso eine erhebliche Gefahr darstellen.

Die Tage waren deutlich kürzer als im Sommer. Lange Nächte, Kälte, Wind und Schneefall schränkten die Bewegungsmöglichkeiten ein. Gleichzeitig erleichterte eine geschlossene Schneedecke das Erkennen von Tierfährten. Bewegungen, die im Sommer im Unterholz verborgen blieben, konnten im Winter über große Entfernungen verfolgt werden.

Der Sternhimmel

Die Sternbilder sahen um das Jahr 1000 nahezu genauso aus wie heute. Orion, Kassiopeia, der Große Wagen und die Plejaden waren in vertrauter Gestalt zu erkennen. Die Eigenbewegung der Sterne ist so langsam, dass sich ihre Anordnung innerhalb von tausend Jahren für das bloße Auge kaum verändert hat.

Verändert hatte sich die Lage des Himmelsnordpols. Die Erdachse beschreibt über einen Zeitraum von etwa 26.000 Jahren eine langsame Kreiselbewegung, die als Präzession bezeichnet wird. Der Polarstern stand um das Jahr 1000 bereits in der Nähe des nördlichen Himmelspols, aber noch nicht so nahe wie heute. Er konnte zur Orientierung dienen, zeigte Norden jedoch weniger genau an.

Der größte Unterschied zum heutigen Sternhimmel lag nicht im Weltall, sondern auf der Erde. Es gab kein künstliches Licht. In klaren Nächten waren wesentlich mehr Sterne sichtbar, und die Milchstraße erschien als breites helles Band über dem Himmel.

Auch Polarlichter konnten über Labrador erscheinen. Ihre Sichtbarkeit hing von der Sonnenaktivität, der Bewölkung und der Jahreszeit ab. In den dunkleren Monaten konnten grüne, rötliche oder violette Lichtbögen und bewegte Schleier den Himmel überziehen. Für Menschen, die ihre Ursache nicht kannten, mussten sie zu den eindrucksvollsten Erscheinungen der Nacht gehören.

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Pflanzenwelt

Die Pflanzenwelt Südlabradors wurde durch das kalte Klima, die kurzen Sommer, die Bodenbeschaffenheit und die Nähe zum Meer geprägt. Nicht überall konnte sich dichter Wald entwickeln. Entscheidend waren Höhenlage, Wind, Feuchtigkeit, Bodenstärke und der Schutz durch die Landschaft.

Der boreale Wald

Im Landesinneren dominierten Nadelbäume. Besonders wichtig war die Schwarzfichte. Sie kann auf nährstoffarmen, feuchten und kalten Böden wachsen und bildet in Labrador ausgedehnte Bestände.

Daneben kamen Balsamtannen und Weißfichten vor. Auf besser entwässerten und geschützteren Standorten wuchsen außerdem Weißbirken, Zitterpappeln und Lärchen. Weiden und Erlen fanden sich häufig in der Nähe von Flüssen, Bächen und feuchten Niederungen.

Der Wald war nicht überall hoch und geschlossen. Auf ungünstigen Böden standen die Bäume weit auseinander. Wind, Schnee und Kälte konnten ihren Wuchs verlangsamen oder ihre Form verändern. In exponierten Lagen blieben Fichten niedrig, wuchsen schief oder bildeten dichte, gedrungene Gruppen.

Moose und Flechten

Moose bedeckten große Bereiche des Waldbodens, morsches Holz und feuchte Felsen. Sie speicherten Wasser und trugen dazu bei, dass der Boden auch nach längeren trockenen Phasen feucht blieb.

In Mooren spielten Torfmoose eine besondere Rolle. Sie hielten große Mengen Wasser zurück und bildeten über lange Zeiträume Torfschichten. Dadurch entstanden weiche, schwer begehbare Flächen, die äußerlich fest wirken konnten, unter der Oberfläche jedoch mit Wasser gefüllt waren.

Flechten wuchsen auf Felsen, Bäumen und trockenen Böden. In lichten Wäldern und offenen Gebieten konnten ausgedehnte Flechtenteppiche entstehen. Für Karibus waren bestimmte Boden- und Baumflechten vor allem im Winter eine wichtige Nahrungsquelle.

Farne

Farne gehörten bereits um das Jahr 1000 zur natürlichen Vegetation der Region. Besonders günstige Standorte fanden sie an schattigen Bachläufen, in feuchten Wäldern, an Quellen und zwischen Felsen.

Die im Roman beschriebene Szene eines tiefer im Wald liegenden Baches, an dessen Ufer die Luft kühler war und Farne dicht wuchsen, entspricht deshalb einem sehr plausiblen Standort. Wasser, Schatten und feuchter Boden schaffen genau die Bedingungen, unter denen sich Farne besonders gut entwickeln.

Küstenheiden

An offenen, stark dem Wind ausgesetzten Küstenabschnitten konnten sich keine hohen Wälder halten. Dort wuchsen niedrige Sträucher, Gräser, Moose, Flechten und widerstandsfähige Heidepflanzen.

Weiden, Erlen und Zwergbirken blieben in solchen Lagen häufig niedrig. Krähenbeeren bildeten flache Teppiche, die dem Wind wenig Angriffsfläche boten. Zwischen Felsen und in geschützten Mulden konnten weitere Beerensträucher wachsen.

Moore und Feuchtgebiete

Moore waren ein charakteristischer Bestandteil der Landschaft. Neben Torfmoosen wuchsen dort Wollgräser, niedrige Sträucher und verschiedene feuchtigkeitsliebende Pflanzen.

An manchen Stellen gingen Wald, Moor und offenes Wasser fast ohne erkennbare Grenze ineinander über. Kleine Teiche lagen zwischen Grasflächen, während einzelne Fichten auf leicht erhöhten, trockeneren Stellen standen.

Beeren und Pilze

Während des kurzen Sommers und im frühen Herbst reiften verschiedene Beeren. Dazu gehörten Heidelbeeren, Preiselbeeren, Krähenbeeren und Moltebeeren, die in Newfoundland und Labrador auch als Bakeapples bezeichnet werden.

Nicht jede Beerenart wuchs an jedem Standort. Einige bevorzugten lichte Wälder, andere offene Heiden oder Moore. Für Menschen und Tiere stellten sie eine saisonale Nahrungsquelle dar.

In den Wäldern wuchsen außerdem zahlreiche Pilze. Sie zersetzten abgestorbenes Holz und andere Pflanzenreste und spielten damit eine wichtige Rolle im Kreislauf des Waldes. Für die historische Darstellung ist ihre Anwesenheit gut begründbar, auch wenn einzelne Arten ohne genaue Bestimmung nicht benannt werden müssen.

Die Pflanzenwelt Südlabradors bestand somit nicht aus einem einzigen geschlossenen Urwald. Sie bildete ein Mosaik aus dunklen Nadelwäldern, lichten Birkenbeständen, Farnflächen, Mooren, Flechtenteppichen, Beerensträuchern und offenen Küstenheiden.

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Tierwelt

Die Tierwelt Südlabradors war eng mit den Jahreszeiten verbunden. Einige Tiere blieben das ganze Jahr über in derselben Region, andere wanderten über große Entfernungen oder erschienen nur zu bestimmten Zeiten.

Karibus

Das Karibu war eines der bedeutendsten großen Landsäugetiere Labradors. Die Tiere bewegten sich zwischen unterschiedlichen jahreszeitlichen Lebensräumen und konnten dabei weite Strecken zurücklegen.

Karibus nutzten Wälder, offene Flächen, Moore und Flechtengebiete. Im Winter konnten sie mit ihren Hufen Schnee beiseiteschieben, um an Flechten und andere Nahrung zu gelangen.

Für die Menschen waren Karibus von besonderer Bedeutung. Fleisch, Fell, Knochen, Geweih und Sehnen konnten auf vielfältige Weise genutzt werden. Ihre Wanderungen beeinflussten deshalb auch die jahreszeitlichen Bewegungen menschlicher Gemeinschaften.

Bären, Wölfe und andere Raubtiere

Schwarzbären lebten in den Wäldern Südlabradors. Sie ernährten sich unter anderem von Pflanzen, Beeren, Insekten, Fischen, kleinen Tieren und Aas. Im Herbst mussten sie ausreichende Fettreserven aufbauen, bevor sie sich in ihre Winterquartiere zurückzogen.

Wölfe folgten unter anderem den Karibus und gehörten zu den wichtigsten großen Beutegreifern. Ihre Anwesenheit war nicht immer unmittelbar sichtbar. Fährten, Kot, Risse oder Rufe konnten auf ein Rudel hinweisen, das sich selbst außerhalb der Sichtweite bewegte.

Der Kanadische Luchs lebte ebenfalls in der Region. Seine wichtigste Beute war der Schneeschuhhase. Da die Bestände der Hasen starken natürlichen Schwankungen unterliegen, veränderte sich auch die Zahl der Luchse über längere Zeiträume.

Der Vielfraß kam in Labrador vor, war jedoch selten und bewegte sich über große Gebiete. Er konnte selbst gefundene Beute nutzen, Aas fressen oder die Überreste anderer Raubtiere aufsuchen.

Füchse

Der Rotfuchs war die für Südlabrador typische Fuchsart. Er konnte in Wäldern, an Waldrändern, auf offenen Flächen und in Küstengebieten leben. Zu seiner Nahrung gehörten kleine Säugetiere, Vögel, Eier, Insekten, Beeren und Aas.

Der Polarfuchs hatte seinen eigentlichen Verbreitungsschwerpunkt weiter nördlich. Einzelne Tiere konnten insbesondere im Winter weiter nach Süden gelangen. Für die gewöhnliche Tierwelt des südlichen Labradors ist jedoch der Rotfuchs die deutlich plausiblere Art.

Kleinere Säugetiere

Biber veränderten die Landschaft, indem sie Bäume fällten und Dämme errichteten. Dadurch entstanden Teiche und überflutete Flächen, die wiederum neuen Lebensraum für Fische, Amphibien, Wasservögel und Pflanzen schufen.

Fischotter lebten an Flüssen, Seen und Küstengewässern. Weitere kleinere Säugetiere waren Marder, Nerze, Wiesel, Bisamratten, Eichhörnchen und Schneeschuhhasen.

Viele dieser Tiere wurden nur selten unmittelbar gesehen. Spuren im Schlamm oder Schnee, angenagte Pflanzen, gefällte Bäume, Kot, Federn oder Reste einer Mahlzeit verrieten ihre Anwesenheit.

Der Elch

Der Elch wird heute häufig mit der Landschaft Newfoundland und Labradors verbunden. Für Labrador ist seine historische Einordnung jedoch nicht vollständig widerspruchsfrei.

Mehrere Fachveröffentlichungen beschreiben Elche als vergleichsweise neue Bewohner Labradors, deren Ausbreitung beziehungsweise Ansiedlung erst im 20. Jahrhundert erfolgte. Andere neuere Darstellungen sprechen davon, dass Elche schon früher in geringer Zahl vorhanden gewesen seien, verweisen aber zugleich auf die schwache historische Datenlage.

Ein regelmäßiges Vorkommen des Elches im südlichen Labrador um das Jahr 1000 lässt sich deshalb nicht zuverlässig belegen. Er sollte für den Roman nicht als typisches Großtier dieser Landschaft vorausgesetzt werden.

Vögel

In Wäldern, Mooren, an Flüssen und entlang der Küste lebten zahlreiche Vogelarten. Greifvögel suchten aus der Luft nach Beute. Wasservögel hielten sich an Seen und Flussmündungen auf. Seevögel brüteten auf Inseln, Felsen und an unzugänglichen Küstenabschnitten.

Raufußhühner und andere bodenlebende Vögel bewegten sich häufig laufend durch die Vegetation. Beim Suchen nach Samen, Pflanzen und kleinen Tieren konnten sie Blätter und lockeren Boden mit den Füßen beiseitescharren.

Viele Vogelarten besitzen drei nach vorn gerichtete Zehen und eine kleinere Hinterzehe. Abhängig von der Vogelart und der Beschaffenheit des Bodens muss die hintere Zehe im Abdruck nicht sichtbar sein. Die im Roman beschriebenen Spuren mit drei nach vorn gerichteten Zehen und Kratzspuren im Boden sind deshalb realistisch.

Die unbenannten Vögel des Romans

Im Roman bewegen sich große, schwere Vögel zwischen den Farnen. Sie besitzen lange Hälse und kleine Köpfe, schreiten langsam vorwärts und hacken nach Nahrung im Boden.

Die Figuren nennen diese Tiere bewusst nicht beim Namen. Sie befinden sich in einer ihnen unbekannten Landschaft und können nur beschreiben, was sie sehen. Diese Perspektive entspricht der Situation von Reisenden, die einer fremden Tierwelt begegnen, ohne über ein wissenschaftliches System zu ihrer Bestimmung zu verfügen.

Eine eindeutige Art lässt sich aus der Beschreibung nicht ableiten. Ein wilder Truthahn wäre für Labrador um das Jahr 1000 nach heutigem Forschungsstand nicht belegt. Sein natürliches historisches Verbreitungsgebiet lag weiter südlich.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, die Vögel unbenannt zu lassen. Der Roman behauptet nicht, dass es sich um eine bestimmte Art handelt. Er gibt lediglich die Beobachtungen der Figuren wieder.

Fische und Meerestiere

Flüsse und Seen beherbergten unter anderem Atlantische Lachse, Bachsaiblinge und andere Forellenfische. In nördlicheren und kälteren Gewässern kam außerdem der arktische Saibling vor. Einige dieser Fische wechselten im Verlauf ihres Lebens zwischen Süßwasser und Meer.

In den Küstengewässern lebten Dorsche, Heringe, Lodden und zahlreiche weitere Fischarten. Ihre Verfügbarkeit änderte sich im Jahresverlauf und hing von Wassertemperatur, Wanderbewegungen und Laichzeiten ab.

Vor der Küste kamen verschiedene Robbenarten vor. Wale durchquerten die Gewässer oder hielten sich saisonal in nahrungsreichen Meeresgebieten auf. Seevögel, Fische, Robben und Wale waren Teil desselben Nahrungsnetzes.

Eisbären und Walrosse hatten ihren Verbreitungsschwerpunkt weiter nördlich. Einzelne Tiere konnten unter geeigneten Eis- und Strömungsbedingungen südlichere Küsten erreichen. Sie gehörten im südlichen Labrador jedoch nicht zum gewöhnlichen täglichen Erscheinungsbild.

Die Tierwelt Südlabradors war damit außerordentlich vielfältig. Sie reichte von kleinen Tieren im Waldboden bis zu Walen vor der Küste. Viele Arten waren nicht ständig sichtbar, hinterließen aber überall Spuren ihrer Anwesenheit.

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Gewässer

Wasser war eines der bestimmenden Elemente Südlabradors. Die Landschaft bestand nicht nur aus Küste und Wald, sondern aus einem dichten Netz von Bächen, Flüssen, Seen, Mooren, Teichen, Buchten und Meeresarmen.

Bäche und Quellen

Kleine Bäche führten Wasser aus höher gelegenen Gebieten in Täler, Seen und Flüsse. Manche flossen offen über Fels und Steine, andere verschwanden unter Pflanzen oder zwischen Geröll.

In geschützten Wäldern war die Luft an solchen Bachläufen häufig kühler und feuchter. Moose und Farne fanden dort günstige Bedingungen. Umgestürzte Bäume, Wurzeln und Steine schufen kleine Staustufen und Becken.

Das Wasser musste nicht immer vollkommen klar sein. In felsigen Gebieten konnte es durchsichtig über hellen Untergrund fließen. In Mooren und waldreichen Einzugsgebieten konnten gelöste Pflanzenstoffe das Wasser dagegen braun oder rötlich färben, ohne dass es deshalb verschmutzt war.

Flüsse

Die Flüsse verbanden das Landesinnere mit der Küste. Für Menschen und Tiere waren sie Wege, Nahrungsräume und zugleich Hindernisse.

In ruhigen Abschnitten konnten Boote flussaufwärts oder flussabwärts bewegt werden. Stromschnellen, flache Stellen, Felsen und Wasserfälle erzwangen jedoch Umwege oder das Tragen der Boote über Land.

Während der Schneeschmelze führten die Flüsse besonders viel Wasser. Ihre Strömung wurde stärker, Ufer wurden überflutet und Übergänge verschwanden. Im Sommer konnten kleinere Zuflüsse deutlich weniger Wasser führen. Im Winter froren viele Flussabschnitte zu, während schnell fließende Stellen teilweise offen blieben.

Seen und Teiche

Seen und kleinere Teiche waren im südlichen Labrador weit verbreitet. Viele lagen in Vertiefungen, die durch Gletscher entstanden waren. Ihre Ufer konnten felsig, bewaldet, sumpfig oder von niedriger Vegetation umgeben sein.

Für Tiere boten sie Wasser, Nahrung und Schutz. Biber errichteten an geeigneten Stellen ihre Bauten und Dämme. Wasservögel fanden Brutplätze, und Fische nutzten tiefere Gewässer als dauerhaften Lebensraum.

Für Menschen konnten Seen Verkehrswege bilden. Eine Fahrt über offenes Wasser war oft einfacher als der Weg durch dichten Wald oder sumpfiges Gelände. Gleichzeitig konnten Wind und plötzlich aufkommender Wellengang auch auf einem See gefährlich werden.

Mündungsbereiche

Wo Flüsse ins Meer mündeten, vermischten sich Süß- und Salzwasser. Solche Übergangsbereiche waren besonders reich an Nahrung. Wanderfische mussten sie auf ihrem Weg zwischen Fluss und Meer passieren, während Vögel und Meeressäuger dort nach Beute suchten.

Der Wasserstand in einer Flussmündung wurde nicht nur durch den Fluss, sondern auch durch die Gezeiten beeinflusst. Bei Flut drang Meerwasser landeinwärts, bei Ebbe fielen Schlammflächen, Steine oder Sandbänke frei.

Küstengewässer

Buchten und Meeresarme waren geschützter als die offene See. Dennoch konnten auch dort Wind, Strömung und Gezeiten erhebliche Auswirkungen haben.

Die Stärke der Gezeiten unterschied sich von Ort zu Ort. Schmale Buchten oder Wasserarme konnten Strömungen verstärken. Felsen, Untiefen und bei Ebbe knapp unter der Oberfläche liegende Hindernisse machten genaue Ortskenntnisse notwendig.

Der Labradorstrom transportiert kaltes Wasser aus dem Norden entlang der Küste nach Süden. Mit ihm bewegen sich auch Meereis und Eisberge. Der Strom beeinflusst die Wassertemperaturen, die Tierwelt und das Wetter der Küstenregion.

Im Winter konnte sich örtlich neues Meereis bilden. Zusätzlich konnte Packeis aus nördlicheren Regionen an die Küste gelangen. Wind konnte es auseinanderdrücken, in Buchten hineinschieben oder gegen das Ufer pressen.

Im Frühjahr brach das Eis auf. Eisschollen trieben mit Wind und Strömung, stießen gegeneinander oder strandeten an flachen Ufern. Für Boote entstand dadurch eine schwer berechenbare Gefahr.

Das Wasser verband die Landschaft, statt ihre einzelnen Teile voneinander zu trennen. Flüsse führten von der Küste in das Landesinnere. Seen ermöglichten Reisen durch den Wald. Das Meer verband weit voneinander entfernte Küstenabschnitte. Zugleich konnten Strömungen, Hochwasser, Eis, Sturm und Nebel jeden dieser Wege innerhalb kurzer Zeit unpassierbar machen.

Wer in diesem Lebensraum bestehen wollte, musste daher nicht nur das Land kennen. Ebenso wichtig war das Wissen darüber, wie Wasserstände, Strömungen, Gezeiten und Eis auf Wetter und Jahreszeiten reagierten.

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